Peng, peng! Den Lauf habe ich mir tatsächlich aus der Hüfte geschossen. Am Ende fehlen fünf (!) Zehntel für eine Zeit im 32-Minuten-Bereich, aber auch mit dem 66. Platz und einer Zeit von 33:00,4 min habe ich nicht rechnen können. Kurzes Umkippen im Zielbereich inbegriffen und die nachträgliche Frage, wo die fünf Zehntel verloren gegangen sind.

Zur Vorgeschichte: Wie ja allgemein bekannt, beschränkt sich meine freie Zeit zum Laufen momentan auf einen eher überschaubaren Zeitraum. Jetzt könnte man argumentieren, dass ich in den 20 Minuten, in denen dieser Artikel entstanden ist ja auch 5,5 km hätte laufen könnte. Aber momentan sitze ich im  ICE zwischen Köln und Karlsruhe – der ist zwar lang, aber erstens würden die übrigen Passagiere mich für verrückt erklären und zweitens ist die Marke Lloyd auch nicht gerade aufgrund ihrer Laufschuhe bekannt geworden.

Meine ganze Vorbereitung hat darin bestanden, am Tag zuvor einen Powerbar zu kaufen und die Startnummer abzuholen. Immerhin. Aber vielleicht ist diese Taktik auch ganz gut gewesen, denn so habe ich ohne Druck an die Sache rangehen können. Fast jedenfalls. Die Badische Meile selbst ist ein Volkslauf in Karlsruhe, der nun schon zum 23. Mal stattgefunden hat. Die Länge beträgt offiziell 8,88889 km, das ist die Strecke, die Markgraf Karl Friedrich anno dazumal in zwei Stunden mit seinem Gefolge im Karlsruher Hardtwald zurück gelegt hat. Zum Glück sind die Herrschaften im 18. Jahrhundert eher gemütlich und bequem unterwegs gewesen.

Inoffiziell hat die Meile aber nur eine Länge von 8,5 km, aus welchen Gründen auch immer. Die Taktik auf einer solch kurzen Distanz ist daher ganz klar „Vollgas bis nichts mehr geht“. Und das passiert hoffentlich immer erst gegen Ende…

Die Veranstalter trennen einen Favoritenblock von den übrigen Teilnehmern ab. Diese 300 „Top-Läufer“ (auch ich J) können so vorneweglaufen und ergeben sich aus den 200 schnellsten Läufern des Vorjahres und den zusätzlich 100 schnellsten Läufern über 10 km. Die ersten Meter haben allerdings trotz dieser Einteilung aus einem gepflegten Drück und Schieben bestanden, das sich dann aber gelegt hat. Die Taktik „Vollgas“ geht mit einer Pace auf dem ersten Kilometer von 3:34 min voll auf. Dann ist aber auch schon fast Ende gewesen, eigentlich etwas verfrüht. Die Durchlaufzeiten sind eher etwas heterogen

Nach dem ersten Anstieg einer Unterführung und einer 180°-Wende, anschließend engen Wegen und einer Brücke mit Treppenstufen kommt der Verpflegungsstand bei Kilometer 5. Immer mehr Läufer ziehen an mir vorbei, wobei sich das alles noch in Grenzen hält. Eine weitere Brücke über dem Stadtgarten und eine weitere Unterführung beim  Albtalbahnhof später werden dann die Beine richtig schwer. Die Zeit ist mir mittlerweile egal, trotzdem lege ich aber alles in eine Waagschale. No Risk no fun. Vor mir liegt eine langgezogene Straße, bei der ich mich voll auf Laufstil und Atmung konzentriere und nochmal aufs Gaspedal drücke. Und siehe da: wieder 4:00 min auf dieser Passage. Memo an mich: Wenn die Zeit es irgendwann zulässt, dann Lauftechnik und Atmung trainieren.


Kurz darauf folgt schon der Einlauf ins Stadion, den Forerunner stoppe ich bei 33:01,29 min. Aber wie sich später rausstellt fehlen bekanntlich nur fünf Zehntel auf  eine offizielle Zeit unter 33 Minuten. Wo habe ich die nur liegen lassen? Beim Drängeln? Beim Winken? Beim Verpflegungsstand? Ich weiß es nicht und tippe einfach auf leichten Gegenwind beim Naturkundemuseum. Oder etwas anderes.

Was sind denn eure Zeitfresser, was kostet euch am meisten Zeit? Trinken? Pinkeln? Smalltalk auf der Strecke?

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